Sonntag, 1. März 2015

Angekommen

Lange konnte ich mich darauf freuen, gestern war es denn so weit: Salut und ich sind zu unserem Praktikum bei Bent Branderup in Dänemark aufgebrochen. Aufregend war das. Für mich vielleicht mehr als für die Prinzessin, denn die wusste ja nicht, wohin es geht, als ich sie in den Hänger gebracht habe.


Die Überfahrt mit der Fähre war nicht so schlimm, wie ich gedacht habe. Entgegen der Vorschriften bin ich natürlich mit meiner Prinzessin auf dem Autodeck im Anhänger geblieben, um sie wenn nötig mit Bachblütentropfen zu beruhigen. Aber sie war reltiv gelassen- zum Glück, denn essen und trinken wollte sie nichts.

Als wir nach achteinhalb Stunden Fahrt endlich auf Lindegaard ankamen, hatte sie dann aber doch wirklich genug vom Ruhigstehen, daher haben wir abends noch zusammen die Halle erkundet (haaa - stellt euch hier dieses Geräusch vor, dass in Filmen kommt, wenn jemand eine Erleuchtung hat oder so), bevor es endlich Essen mit allen am Hof gab.

Ich freue mich jetzt auf lehr- und erfahrungsreiche drei Monate und hoffe, dass ich zwischendurch viel zu berichten habe!


Montag, 9. Februar 2015

Kleine Sattelkunde - mein Sattel

Nachdem ich vorletzte Woche zusammengefasst habe, was ich über Sattelbeurteilung weiß, möchte ich euch nicht vorenthalten, womit ich nun reite. Vorweg: Ich reite wenig - meist nur zwei Mal in der Woche - und nutze normalerweise das Barebackpad Physio, welches extra für Rückenproblempferde erfunden wurde. Ich reite damit maximal 45 Minuten am Stück, davon die größte Zeit im Schritt. Traben und galoppieren baue ich nur in kurzen Intervallen in die Arbeit ein und nur, wenn die Prinzessin den Rücken nicht wegdrückt und schön untertritt. Für diese Dressurarbeit bietet mir mein Pad unschätzbare Vorteile gegenüber einem Sattel: Ich kann besser fühlen, ob und wie sich der Rücken unter mit bewegt. Gleichzeitig kann mein Pony natürlich auch meine Bewegungen und Schwerpunktverlagerungen besser wahrnehmen. Meine Beine können locker und entspannt herab hängen, ohne von Steigbügeln in eine Richtung gezogen zu werden und ohne den Zwang, diese festhalten zu müssen. Ich kann die Beine auch aus ihrer natürlichen Position heraus woanders hin legen und meine Hüfte frei drehen, da mich kein starrer Sitz an einem Platz hält.
Aber wenn ich ausreite ist die Ausgangssituation anders. Dann müssen keine feinen Gewichtshilfen übertragen werden, dann möchte ich länger unterwegs sein können als 45 Minuten und auch schneller. Dann verlange ich nicht immer von meinem Pony absolute Konzentration auf mich, sondern möchte, dass sie auf die Bodenbeschaffenheit achtet und gönne es ihr auch, sich in der Gegend umzusehen. Dabei geht mir der Rüken leider oft verloren. All das sind Gründe für mich, nicht mit dem Pad auszureiten, sondern etwas stabileres zu bevorzugen.
Meine Anforderungen an meinen Sattel waren also:
  • Muss kurz sein, um zu der kurzen Sattellage zu passen
  • Soll sowohl für mein Pony als auch für mich auf langen Strecken bequem sein
  • Soll möglichst leicht sein, um auch mal in Richtung Distanzritt denken zu können
  • Soll auch für kleine natürliche Hindernisse geeignet sein
  • Sollte eine Befestigungsmöglichkeit für keines Gepäck, wie z.B. Regenmantel, besitzen
  • Muss günstig sein, denn mein Budget gab nicht viel her.
Noch lebhaft in Erinnerung hatte ich, wie eine Freundin, mit der ich früher oft ausgeritten bin, von ihrem ROC schwärmte, einem Distanzsattel. Also habe ich mich nach so etwas umgesehen. Die Firmenhomepage sah gut aus und bot ein breites Spektrum an Sättel für alle Ansprüche, nicht nur Distanzreiten. Aber hier waren mir die Sättel eindeutig zu teuer.
Recht unbedarft habe ich mir denn über eine Kleinanzeige ein älteres und sehr einfaches Modell gekauft (für 450 €) und war nach dem Auspacken erstmal enttäuscht: Es sah sehr billig aus, auf den Fendern war nicht die typische ROC-Prägung und auch im Sitz ließ sich keine finden. "Betrug!" dachte ich und schrieb direkt an die Firma, um Hinweise auf Echtheit zu finden. Okay, das tut nichts zur Sache jetzt. Der Sattel ist wohl echt, die Fender und Bügel sind allerdings von einer anderen Firma. Da ich ein recht altes Modell erwischt habe, hat mein Sattel einen Podium-Baum (Podium ist eine andere Sattelfirma) aus Kunststoff. Die neueren ROC-Sättel besitzen einen Riese-Holzbaum. Dann musste ich aber noch rausfinden, ob der Sattel passt und wie ich ihn angepasst kriege. Ich hatte Glück und fand bei Facebook eine sehr gute Quelle für Tipps rund um diese Sättel. Mit ihrer Hilfe und der Anleitung, die man auf der ROC-Homepage bekommt, begann ich dann selber, meinen Sattel anzupassen:
Praktischerweise kann man bei diesen Sätteln den Baum ausbauen und ihn so ohne störende "Verkleidung" direkt anprobieren. Lediglich das Sitzfell ist festgeklebt und wurde von mir im ersten Schritt nicht entfernt. Später habe ich es dann doch abgezogen und mir ein bequemeres Sitzpolster gebastelt.






Wie man auf den ersten beiden Bildern sieht, sind die Orte bei diesem Baum schön kurz, sodass die Gefahr sehr klein ist, dass sie auf die Schulter drücken. Der Baum selber ist auch sehr, kurz und endet etwa 2 cm vor dem ersten Lendenwirbel.
Der Blick von vorne in die Kammer zeigt, dass genügend Platz ist und die Orten parallel zur Schulterpartie verlaufen.

Unter dem Baum werden Platten befestigt, die die Auflagefläche vergrößern und den Druck verteilen helfen. Bei meinem Modell waren 2 unterschiedlich große schwarze Platten dabei, die ich übereinander montiert habe.
Von vorne kann man sehen, dass sie sich nicht perfekt an die Konturen anschmiegten.



Daher habe ich sie übers Internet gegen eine weiße und eine kleinere schwarze Platte getauscht. Die weiße Platte ist etwas biegsamer und ich hatte gelesen, dass diese eher für rundliche Pferde geeignet ist als die schwarze.


Wenn man mit den Platten zufrieden ist, werden die Polster hinzugefügt. Der Sattel wird gepolstert, indem man Stiftlatex und PU in die Decke schiebt. Es gibt ein großes Fach für die Hauptpolster und kleine auf jeder Seite für die sogenannten Balancepolster, über die man sowohl die seitliche Balance, als auch das Gleichgewicht nach vorne und hinten herstellen kann. Ich habe leider keine Bilder von dem Sattel mit montierter weißer Platte und der Decke gemacht, daher hier noch ältere mit den schwarzen Platten.


Wenn alles sitzt, schiebt man die Platten zum Schluss in passende Fächer in der Decke, damit sich Sattel und Polster nicht trennen können.

Wie man auf dem linken Bild und auch auf dem mit mir im Sattel sehen kann, ist die Sitzfläche leicht nach vorne geneigt. Um dies auszugleichen, habe ich vorne Balancepolster eingeschoben, links mehr als rechts, weil der Sattel nach rechts rutschte.

Auf dem letzten Bild schließlich sieht man, wie der Sattel nach einem Ausritt lag: Leider im Verhältnis zum Gurt etwas nach hinten gerutscht, aber sonst noch ordentlich. Und vor allem: Salut hält den Rücken noch oben!
Da die Position der Gurtaufhängung veränderbar ist, werde ich das Problem mit dem rutschen bestimmt auch noch in den Griff bekommen. Stoff für eine weitere Folge Sattelkunde....




Montag, 2. Februar 2015

Seelenspiegel

"Die Pferde spiegeln uns" - diese Aussage habe ich schon so oft gehört, aber erst in der letzten Zeit wird mir bewusst, in welchem Ausmaß sie das tun.

Vor dreieinhalb Jahren habe ich eine neue Stelle angenommen und kurz darauf begonnen, meine Doktorarbeit zu schreiben.
Der geringe Verdienst bei hohem Frustrationslevel haben an meinen Nerven gezerrt, bis ich beschlossen habe, dort aufzuhören. Mit dem Entschluss ging es mir besser, doch ich habe einfach nichts anderes gefunden. Also hab ich die Zähne zusammengebissen und weitergemacht. Mit meiner Laune ging es bergab, ich musste einen Nebenjob annehmen, um den Stall bezahlen zu können, war oft bedrückt, ständig gestresst, müde und eigentlich immer unzufrieden.

Vor etwa 2 Jahren hatten die Prinzessin und ich einen - sagen wir - Könnens-Höhepunkt.
Dann lief es mit dem Pony plötzlich nicht mehr so gut. Die Prinzessin, schon immer eher in sich gekehrt und wenig arbeitsfreudig, zog sich immer mehr zurück, wurde "faul", entzog sich meinen Hilfen, bekam "Rücken" und war nicht mehr dieselbe. Dadurch ging es mir dann noch schlechter....

Ich hatte das Gefühl, dass mein Pony alles vergisst, was wir erarbeitet hatten und zudem körperlich abbaut. Es gab natürlich auch Hochs im Tief aber insgesamt war die Situation nicht zufriedenstellend.

Im Nachhinein kann ich hier Parallelen zwischen unseren Gemütsverfassungen erkennen.

Im Mai 2014 war dann endlich das Ende meiner Doktorandenzeit abzusehen, ich hatte mir den September zum Abgeben meiner Arbeit als Ziel gesetzt, die Auswertung meiner Studie lief gut und Schreiben ging auch. Tatsächlich abgegeben habe ich dann Mitte Oktober und seitdem geht es mir seelisch viel besser, ich bin entspannter, kann mich auf die Zeit in Dänemark freuen und bin auch in Gedanken ganz beim Pony, wenn ich mit ihr arbeite.

Seit Mitte 2014 hat sich auch unsere Arbeit langsam stabilisiert, wir haben keine Rückschritte mehr gemacht, seit Dezember 2014 geht es nur noch bergauf. Saluts Rückenproblem ist nicht wieder aufgetaucht.

Kann es sein, dass es meinem Pony so schlecht ging, weil es mir so schlecht ging? Und dass sie nun, nachdem ich selber entspannter und zufriedener bin, auch wieder aufleben kann? Ich kann es nicht wissen, aber vermuten.
Dass sie mich körperlich spiegelt, weiß ich. Spätestens seit ich mit der Freiarbeit begonnen habe, fällt mir immer wieder auf, wie entscheidend Kleinigkeiten in meiner Haltung sind, um auch ihre zu ändern. Nicht nur, dass sie den Kopf senkt, wenn ich mich vorbeuge, die Schultern dreht, wenn ich meine drehe und langsamer und schneller wird, je nachdem, wie ich laufe. Nein, auch wohin ich mit den Augen schaue und was ich mit meinen Händen mache entgeht ihr nicht und wird - zumindest an sehr aufmerksamen Tagen - imitiert.

Auch bei meinen Reitschülern konnte ich dieses Phänomen beobachten, wenn auch immer nur auf den kurzen Zeitabschnitt einer Unterrichtseinheit bezogen. Steigt jemand mit Stress aufs Pferd, wird das Reiten selten zufriedenstellend. Nicht nur der angespannte Rücken, zusammengebissene Zähne oder sonstige körperliche Auswirkungen von Stress behindern die Arbeit. Wer gestresst ist setzt - besonders in einer Reitstunde - sein Pferd unter großen Druck. Denn wir Freizeitreiter halten unsere Pferde zu unserer Entspannung. Wir erwarten also, dass sie uns von dem Alltagsärger befreien und laden ihn auf diese Weise auf ihrem Rücken ab. Das ist nicht fair. Kommt dann noch unsere Verspannung hinzu, muss das Pferd schon sehr unsensibel oder hart im Nehmen sein, um dennoch locker und motiviert zu laufen.

Mein Rückblick auf die letzten 3 Jahre lässt mich nachdenklich werden. Und er motiviert mich dazu, meine Arbeit mit Salut zu verändern. Er motiviert mich, mich mehr mit meiner seelischen Verfassung zu beschäftigen. Ich hoffe, eines Tages werde ich in der Lage sein, wirklich alles, was mich in der Nicht-Stall-Wirklichkeit beschäftigt, auszublenden und beim Pony NUR beim Pony zu sein.
 Aber bis es so weit ist möchte ich meinem Pony heute etwas versprechen: Wenn ich gestresst bin, egal ob von der Arbeit, der Freizeit, Beziehungen oder was auch immer, werde ich nicht von dir verlangen, MIT mir zu arbeiten. Dann darfst du OHNE mich laufen, springen, dich wälzen. Oder vielleicht gehen wir auch ins Gelände, joggen oder spazieren einfach nur, freuen uns über Bäume, Vögel und Blumen. Am Ende kommt ja auch alles wieder zu mir zurück: Nur wenn du glücklich bist kann ich es auch sein.



Montag, 26. Januar 2015

Stand der Dinge am 26. Januar 2015

Das letzte Update zu unserer Arbeit ist nun schon echt lange her und seitdem hat sich viel viel viel getan. Ich fasse mich kurz:

News:
  • Anfang 2014 habe ich in aller Heimlichkeit eine Bewerbung für einen Praktikumsplatz zu Bent Branderup geschickt. Es hat geklappt und so werden Salut und ich dieses Jahr 3 Monate auf Lindegaard verbringen und hoffentlich viel lernen. Im März geht es los.
  • Dazu sind wir nun auch motorisiert - Führerschein, Anhänger und Zugfahrzeug mussten erst erworben werden.
  • Ich habe mir einen neuen Sattel gebaut (darüber bald mehr in einem Extra-Post), mit dem wir nun schöne Ausritte machen können. Auch Springen geht so halbwegs damit und sogar für das Dressurreiten funktioniert er überraschend gut. Saluts Rücken ist seitdem nicht mehr druckempfindlich gewesen.
Arbeit:
  • Es hat lange gedauert, aber im Verlauf des Jahres hat sich unsere Arbeit endlich wieder verbessert. Ich möchte nicht abstreiten, dass dies zu großen Teilen daran liegt, dass ich endlich entspannt bin, nachdem ich im Oktober meine Doktoarbeit abgeschlossen und eingereicht habe. Die Prinzessin ist seit Dezember plötzlich motiviert und engagiert. Sie arbeitet mit und versucht, Antworten zu finden, die mich freuen. Und das tun sie. Wir haben so viel Spaß wie lange nicht mehr und viele Baustellen können wir nun angehen und Lösungen finden.
  • Saluts Rücken ist in Ordnung, schwingt locker und lässt auch Biegung zu. Endlich können wir wieder am Galopp arbeiten. 
  • Bei der Bodenarbeit kann ich nun den Trab in die Arbeit einbeziehen und auch das Angaloppieren wird besser.

Kleine Sattelkunde - Allgemeines zum Sattel

Heute fasse ich zunächst meine allgemeinen Erkenntnisse zum Thema Sattel zusammen - kurz und lückenhaft, wie gesagt, es sind die für mich wichtigsten Erkenntnisse. Wenn jemand mehr wissen möchte, empfehle ich die Lektüre der unten angegebenen Quellen.

Was ist die Aufgabe des Sattels?
Grob zusammengefasst soll der Sattel die Wirbelsäule des Pferdes vor Druck schützen. Das weiß eigentlich jeder. Druck entsteht, wenn wir uns ohne Sattel auf den Pferderücken setzen, nicht nur dadurch, dass unsere vielleicht spitz hervorstehenden Gesäßknochen in die Muskulatur drücken, sondern auch dadurch, dass das Gewebe straff über den Dornfortsätzen der Wirbel gespannt wird. Darüber hinaus sind wir alle ein wenig schief und verteilen unser Gewicht, also den Druck, vielleicht nicht ganz gleichmäßig auf die rechte und linke Seite. Auch dies soll der Sattel ausgleichen. Damit soll es dem Rücken ermöglicht werden, ungestört zu schwingen [2.2]. Aber nicht nur nach rechts und links, auch über die gesamte Auflagefläche soll der Sattel das Gewicht verteilen, um dem Pferd das Tragen des zusätzlichen Gewichts zu vereinfachen [1]. Was viele vergessen ist, dass außerdem auch Reibung über den Dornforsätzen entsteht, indem wir in der Bewegung auf dem blanken Pferderücken sitzen [1].  
Auf der anderen Seite dient der Sattel aber auch uns, unseren Hilfen und damit der Kommunikation mit dem Pferd. Stellt euch ein ganz dünnes Pferd vor: Könnt ihr da drauf sitzen und feine Hilfen geben, ohne euch mit den Beinen festzuklammern? Ein hervorstehender Widerrist verhindert ebenfalls sehr effektiv einen entspannten Sitz. Am anderen Ende der Skala stellt euch jetzt ein extrem dickes, oder sagen wir lieber breites, rundrippiges, Pferd vor: Ihr könnt eure Beine nicht hängen lassen, die wandern immer nach vorne und ihr landet im Stuhlsitz. Der Sattel soll also die Anatomie des Pferderückens und die des Menschenbeckens einander näher bringen und Hilfengebung vereinfachen [1]. Auf dem runden Rücken soll er nach unten breit sein, die Sitzfläche aber soll schmaler sein als das Pferd. Das schmale Pferd muss er ein bisschen breiter, griffiger machen. Und so weiter, ich glaube, ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Darüber hinaus soll der Sattel besonders das Reiten in der Wahl-Disziplin erleichtern.
Je nachdem, was wir mit dem Pferd vorhaben, ist nicht jeder Sattel gleich gut geeignet. Es ist keine Geldmacherei, dass Sattler so viele Satteltypen anbieten: Dressur, Springen, Vielseitigkeit mit verschiedenen Ausrichtungen; unterschiedliche Westernmodelle; etwas spezieller Isländer- und Friesensattel, Distanzsattel usw.
Abhängig davon, was wir mit dem Pferd und Sattel annstellen möchten brauchen wir Pauschen, ein Horn, einen besonders leichten Sattel, den Schwerpunkt weiter vorn oder hinten usw.
Und nicht zu vergessen: Der Sattel dient auch unserer Sicherheit! [2.2].

Worauf ist bei derAuswahl des Sattels zu achten?
Besonderes Augenmerk ist auf die anatomischen Gegebenheiten des Pferdes zu legen. Auf keinen Fall darf der Sattel zu lang sein (s.u.). Ebensowenig darf er auf der Schulter liegen. Auch Bemuskelung, Form des Widerristes, Schwung des Rückens (z.B. Senk- oder Karpfenrücken) müssen beachtet werden.
Bei aller Rücksicht auf das Pferd muss der Sattel aber auch dem Reiter passen. Denn sitzt der nicht bequem, kann er nicht korrekt einwirken und stört das Pferd, selbst wenn der Sattel super passt. Hier müssen Hosengröße und Sitzlänge zusammenpassen und die Polsterung des Sitzes muss dem Gewicht und eventuellen Vorlieben entsprechen. Aber auch die Neigung der vorderen Hälfte der Sitzfläche und die Anbringung der Steigbügel, welche die Lage des Beins beeinflusst, sind zu berücksichtigen. Je nach Beinlänge empfiehlt sich ein Sattel mit mehr Vorschnitt [1]. Manche Reiter fühlen sich auf einem breiteren Sattel wohl, anderen ist ein schmaler lieber, wobei die Breite des Beckens hier wesentlichen Ausschlag gibt.

Sind Form und Farbe beim Sattelkauf wichtig?
Nun, wenn man sich einen neuen Sattel leistet kann man vielleicht das gleiche Modell in schwarz oder braun haben. Oder mit farbigem Rand am Hinterzwiesel oder ohne. Bei Pferden, die eine sehr einfache Sattellage haben, für die prinzipiell verschiedene Modelle in Frage kommen, kann vielleicht auch beim Kauf eines gebrauchten Sattels Rücksicht auf Farbvorlieben genommen werden. Für mich fällt diese Option aber komplett raus - einen neuen Maßsattel kann ich mir nicht leisten und passende Gebrauchtsättel sind Mangelware für die Prinzessin. Ich habe mich darüber hinaus auch gleich von dem Wunsch nach einem Dressursattel getrennt und mich darauf beschränkt, ein Modell zu finden, das überhaupt passt. Ich hoffe aber, dass wir hier die Ausnahme sind. Dennoch für alle anderen, die auf der Suche sind: Versteift euch nicht auf die Vorstellung einer Sattelart, Marke oder Farbe; seid offen und probiert unterschiedliche Typen aus und wenn euch ein Sattel begegnet, der wirklich passt, und für euren Zweck funktioniert, haltet ihn fest anstatt euch über das Design zu ärgern! Euer Pony wird es euch danken, indem es fortan freier, lockerer und freudiger unter euch läuft.

Und nun die Frage, die uns besonders am Herzen liegt:
Woran erkenne ich, dass der Sattel passt?
Tja, die Million-Euro-Frage. Nochmal: Ich liefere hier bloß eine Übersicht der Dinge, auf die ich zu achten gelernt habe. Wer es genauer wissen möchte, schaut bitte in die unten empfohlenen Bücher.
1) Sattel ohne Pferd:
  • Der Baum darf nicht verzogen, also zu einer Seite schief sein und die Kissen sollten auf beiden Seiten gleich dick und gleich fest sein. Man kann das prüfen, indem man ihn sich mit der Vorderkante auf die Füße stellt, die Sitzfläche in Richtung der Beine. Wenn man nun von oben über die Unterseite des Sattels schaut, kann man erkennen, ob der Sattel gerade und symmetrisch verläuft und ob die Kissen die gleiche Dicke aufweisen. Die Aufmerksamkeit ist hier daruaf zu richten, dass die Mitte des hinteren Sattelkranzes auf einer Linie liegt mit der des vorderen.
  • Der Sattelbaum darf sich nicht verbiegen lassen, das würde darauf hindeuten, dass er selbst oder das Kopfeisen gebrochen ist [1].
  • Die Kissen sollen elastisch und frei von Knubbeln sein. Das kann man einfach durch etwas festeres Drüberstreichen erfühlen [1 und 2.2]. 
2) Im Stehen:
  • Der Sattel liegt mit seiner vorderen Kante hinter dem hintersten Punkt der Schlter (kann man ertasten) und endet spätestens am 18. Brustwirbel [1]. Diese ist bei vielen Pferden einfach zu erkennen: Fühlt man die Wirbelsäule entlang kann man meist einen Huckel in etwa dort spüren, wo man das Ende des Sattels vermutet. Sofern es sich hier nicht um eine Auswirkung eines unpassenden Sattels handelt, ist dies der erste Lendenwirbel. Der Sattel muss also DAVOR enden.
  • Von vorne betrachtet soll der Ortsstand parallel zur Schulter verlaufen, damit diese in der Bewegung darunter geschoben werden kann [2.2]. Auch der Rest des Sattelbaumes, also des festen Teils des Sattels, soll von vorne betrachtet parallel zur Rundung des Rückens verlaufen. Hierzu hat Marc Lubetzki in seinem online verfügbaren Buch "Die Sattelprobe" anschauliche Skizzen [1].
  • Die Polsterung, bzw. das Sattelkissen, entspricht der Form des Rückens, des Trapezmuskels und seinem Übergang zur Schultermuskulatur. Das Kissen sollte nicht dem Rücken entgegen gebogen sein [2.2].
  • Sowohl vorne (unter den Ortsspitzen), als auch hinten sollte man noch eine Hand unter den Sattel schieben können, wenn man drauf sitzt. Die Hand muss ebenso leicht auch wieder darunter hervor zu ziehen sein [2.2]. Der Sattel darf weder eine Brücke über den Rücken, noch eine Wippe bilden [1].
  • Der Schwerpunkt des Sattels soll beim 12. oder 13. Brustwirbel liegen [1] (zu ermitteln z.B., indem man vom ersten Lendenwirbel 6-7 Wirbel nach vorne zählt). Dazu schaut man sich Pferd und Sattel am besten mit etwas Abstand von der Seite an. Der tiefste Punkt des Sattels entspricht dem Schwerpunkt. Barock- und Westernsättel dürfen ihren Schwerpunkt etwas weiter hinten haben [1].
  • Auch nach längerem Reiten müssen noch mehrere Finger unter den Sattelkopf/ Vorderzwiesel passen [2.2].
  • Weder die Sturzfeder noch die Riemen dürfen nach unten hin drücken. [2.2]. Zur Überprüfung wird eine Hand unter die Steigbügelaufhängung mit eingehängtem Bügelriemen geschoben, wobei Sturzfeder und Riemen nicht zu tasten sein sollen. 
  • Die Kissen müssen genügend Platz für die Wirbelsäule und die Muskeln lassen. Besonders vorne! Am Trapezmuskel sollten mindestens ca. 8 cm Platz zwischen dem linken und rechten Kissen sein [2.2], der alte Sattlermeister Otto von Bartholdy verlangt sogar 10 [2.3].
  • Wenn gegurtet wird, soll die vordere Gurtstrippe senkrecht verlaufen. Tut sie das nicht, wird der Sattel durch die Gurtung beim Reiten mit großer Wahrscheinlichkeit aus seiner Position nach vorne oder hinten gezogen [1].
In der Bewegung:
  • Das Pferd läuft mit losgelassenem Rücken [1 und 2.2], zu erkennen daran, dass der Rücken sich bewegt und der Bauch von einer Seite zur anderen pendelt. Der Schweif wird dabei (bei den meisten Pferden und wenn diese entspannt sind) locker hin und her schwingend getragen.
  • Das Pferd tritt mit den Vorderbeinen wirklich vor und hebt die Schultern dabei.
  • Auf einer kleinen Volte bleibt der Sattel mittig auf dem Pferd liegen, rutscht weder nach außen, noch nach innen (von vorne und hinten betrachten!).Wenn die hintere Sattelpartie nach außen rutscht, ist der Sattel wahrscheinlich zu eng am Trapezmuskel [2.2].
  • Der Sattel darf in der Bewegung nicht auf den Rücken schlagen, sich nach vorne, hinten oder zur Seite bewegen [1].
Nicht zuletzt ist es natürlich wichtig, wie sich der Reiter auf dem Sattel fühlt. Er darf sich nicht eingeengt vorkommen, schief hingesetzt (vorne-hinten und rechts-links) werden oder rutschen. Der korrekte aufrechte Sitz soll einfach sein. Pauschen, die die Beine in eine bestimmte Lage bringen, behindern einen lockeren, offenen Sitz


Quellen:
1: Lubetzki, Marc (2010): Die Sattelprobe; 5. Auflage 2010
2: Stodulka, R.; Weiß, E. & Meyners, E. (2013): Medizinische Sattellehre. Der pferdegerechte Sattel nach veterinärmedizinischen, funktionellen und biodynamischen Grundsätzen. Mit einer Neuausgabe von Bartholdy, O.v.: Anleitung zum Sattelbau; Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag
       2.1: Stodulka, R.
       2.2: Weiß, E.
       2.3: Meyners, E.
       2.4: Bartholdy, O.v.



Donnerstag, 30. Oktober 2014

Kleine Sattelkunde - Einführung

Gibt es hier einen Glücklichen, der das Problem, den richtigen Sattel zu finden nicht kennt?
Schon seit ich meine Prinzessin besitze, bin ich auf der Suche nach dem perfekten Sattel. Nein, 'perfekt' habe ich eigentlich schnell aufgegeben und gegen 'passend fürs Pony' ersetzt. Perfekt würde ja beinhalten, dass er auch für mich super bequem ist und noch gut aussieht. Ich glaube, das ist hoffnugslos. Jeder Sattler hat immer irgendwas im Auto, das er als passend beschreibt. Jeder Sattler polstert mit Begeisterung an dem rum, was man hat. Und bis vor einiger Zeit hatte ich wirklich keine Ahnung von der Materie und habe einfach geglaubt, was mir da gesagt wurde. Ich meine, warum auch nicht? Das sind die Spezialisten, die müssten es doch wissen. Und da ich immer so nett naiv bin und an das Gute in jedem glaube, war es auch ausgeschlossen für mich, dass mir einer was verkauft, um was zu verkaufen und nicht, um meinem Pony einen Sattel zu verpassen, der ihr die Arbeit erleichtert.
Vor 4 Jahren dachte ich das letzte Mal, das perfekte Modell gefunden zu haben: Den Epona von LaSelle. Tatsächlich ist die Prinzessin unter keinem anderen Sattel, den ich auf ihr liegen hatte, jemals so entspannt gelaufen und hat den Rücken aufgewölbt. Ich war begeistert. Auch der Sattler meinte, es passt und er durfte ihn ein bis zwei Mal im Jahr prüfen und anpassen.
Dass nach dem Reiten immer die Haare am hinteren Sattelrand aufgefilzt waren hab ich auf die Decke geschoben.
Mit der Zeit aber kamen mir Zweifel: Salut hat einen recht starken Senkrücken und mit kritischem Auge betrachtet endete der Epona genau da, wo der Rücken wieder nach oben geht.

Daher ritt ich seit Anfang des Jahres mit meiem Bareback Pad physio und nutzte den Epona nur noch fürs Gelände. Viele, die ich kenne, sind inzwischen auf Fellsattel oder Pad umgestiegen, das passt immer irgendwie. Aber für mich war das keine Lösung für alle Situationen.

Trotzdem hat Salut immer wieder die Arbeit verweigert und die Erklärung der Tierärzte, der ich mich vollkommen anschließe, lautete Rückenschmerzen. "Warum?" fragte ich mich, wo ich doch so wenig reite und so viel Biege- und Gymnastikarbeit mache?

Ein Spezialist, den ich Salut dann im Juni gegönnt habe und der wirklich großartige Arbeit an ihr leistete, lieferte mir schließlich die Erklärung: Meine Sättel waren immer zu lang! Alle Sattler hatten mir zwar immer wieder versichert, dass dies nicht der Fall sei, aber nachdem dieser Tierarzt mir ein eindeutiges Merkmal gezeigt hatte, das anzeigt, wo der Bereich der Brustwirbelsäule endet, war mir klar: Das kann nie gepasst haben und auch nicht einfach werden!
Also begann ich, Bücher zu lesen und mich mit verschiedenen Sattelmodellen zu beschäftigen. Ich bin kein Profi geworden, habe aber dennoch viel gelernt und werde meine Erkenntnisse demnächst nach und nach hier teilen.

Montag, 27. Oktober 2014

Freiarbeit

Erst wollte sie keinen Sattel mehr, dann mochte sie nicht mehr am Kopf geführt werden. Ist das das Ende der Arbeit mit der Prinzessin? Beinahe hätte ich ja gesagt, aber das wäre so falsch. Es war das Ende der Korrektur am Kappzaum oder der Trense und gleichzeitig der Anfang zu noch feineren Hilfen, zu mehr Körpersprache und Sitzkommunikation.
Ja, ich weiß, wenn das Pferd plötzlich am Kopf empfindlich wird und Trensen etc. nicht mehr mag oder überall rein beißt können Zahnprobleme dahinter stecken. Der Tierarzt ist schon verständigt. Trotzdem konnten wir etwas Tolles für unsere Arbeit daraus ziehen.

Für manche mag es aussehen wie ziemlich unspektakuläre Zirkustricks, wenn ich rückwärts vor meinem Pony her gehe und sie mir folgt, die Nase zu meinem Bauch zeigend. Und wie die typische Freizeitreiterspinnerei, wenn ich nur mit Halsring reite. Für mich ist das die Überprüfung und Verfeinerung der Arbeit, die wir bereits gefestigt hatten.

Was wir nun konkret machen? Ich führe, Pony folgt. Dabei gebe ich mit meinem Bauch die Blickrichtung und Stellung, mit der Gerte in der Schenkellage die Biegung und den Takt vor. Meine Haltung wird von Saluts gespiegelt: Wenn ich mich aufrichte tut sie das auch, wenn ich mich etwas vorbeuge soll sie den Hals fallen lassen. Meine Schultern sind parallel zu ihren Schultern. Wenn sie mich in korrekter Biegung spiegelt kann ich also durch Drehung meiner Schultern auch ihre drehen und sie so in ein Schulter- oder Kruppeherein oder in die Traversale führen.
Fazit für die Bodenarbeit ohne Zeug am Kopf: Ich habe meine Körpersprache verfeinert, Salut hat gelernt, genauer zuzuhören. Durch anfangs extrem häufiges Lob habe ich sie sehr aufmerksam und motiviert gemacht, Eigenschaften, die mir in letzter Zeit an ihr gefehlt haben. Leider ist sie gleichzeitig auch etwas zu einem weißen Hai geworden, aber das wird wohl auch wieder verschwinden.

Beim Reiten mit Halsring habe ich meine "Zügelhilfen" nun also auf die indirekten Hilfen, das heißt die an der Schulter, reduziert. Der Halsring simuliert perfekt den äußeren Zügel und kann - großer Vorteil - gleichzeitig den Hals reinführen und die innere Schulter zurückhalten. Aber nur mit Zügeln bzw. Halsring zu reiten macht natürlich noch keine schöne Arbeit. Ich muss jetzt verstärkt auf einen deutlichen Sitz und punktgenaues Treiben achten, um die Biegung korrekt zu erhalten. Sobald ich etwas nicht ordentlich mache, erhalte ich die Quittung. Hier fehlt es allerdings dem Pony noch ein bisschen an der Motivation, die wir in der Boden-Freiarbeit so schön wiedererlangt haben. Wenn sie keine Lust mehr hat, hat sie keine Lust und dann hilft auch der beste Sitz nicht, um sie auf der Zirkellinie zu halten. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Challenge accepted!