Montag, 26. Januar 2015

Stand der Dinge am 26. Januar 2015

Das letzte Update zu unserer Arbeit ist nun schon echt lange her und seitdem hat sich viel viel viel getan. Ich fasse mich kurz:

News:
  • Anfang 2014 habe ich in aller Heimlichkeit eine Bewerbung für einen Praktikumsplatz zu Bent Branderup geschickt. Es hat geklappt und so werden Salut und ich dieses Jahr 3 Monate auf Lindegaard verbringen und hoffentlich viel lernen. Im März geht es los.
  • Dazu sind wir nun auch motorisiert - Führerschein, Anhänger und Zugfahrzeug mussten erst erworben werden.
  • Ich habe mir einen neuen Sattel gebaut (darüber bald mehr in einem Extra-Post), mit dem wir nun schöne Ausritte machen können. Auch Springen geht so halbwegs damit und sogar für das Dressurreiten funktioniert er überraschend gut. Saluts Rücken ist seitdem nicht mehr druckempfindlich gewesen.
Arbeit:
  • Es hat lange gedauert, aber im Verlauf des Jahres hat sich unsere Arbeit endlich wieder verbessert. Ich möchte nicht abstreiten, dass dies zu großen Teilen daran liegt, dass ich endlich entspannt bin, nachdem ich im Oktober meine Doktoarbeit abgeschlossen und eingereicht habe. Die Prinzessin ist seit Dezember plötzlich motiviert und engagiert. Sie arbeitet mit und versucht, Antworten zu finden, die mich freuen. Und das tun sie. Wir haben so viel Spaß wie lange nicht mehr und viele Baustellen können wir nun angehen und Lösungen finden.
  • Saluts Rücken ist in Ordnung, schwingt locker und lässt auch Biegung zu. Endlich können wir wieder am Galopp arbeiten. 
  • Bei der Bodenarbeit kann ich nun den Trab in die Arbeit einbeziehen und auch das Angaloppieren wird besser.

Kleine Sattelkunde - Allgemeines zum Sattel

Heute fasse ich zunächst meine allgemeinen Erkenntnisse zum Thema Sattel zusammen - kurz und lückenhaft, wie gesagt, es sind die für mich wichtigsten Erkenntnisse. Wenn jemand mehr wissen möchte, empfehle ich die Lektüre der unten angegebenen Quellen.

Was ist die Aufgabe des Sattels?
Grob zusammengefasst soll der Sattel die Wirbelsäule des Pferdes vor Druck schützen. Das weiß eigentlich jeder. Druck entsteht, wenn wir uns ohne Sattel auf den Pferderücken setzen, nicht nur dadurch, dass unsere vielleicht spitz hervorstehenden Gesäßknochen in die Muskulatur drücken, sondern auch dadurch, dass das Gewebe straff über den Dornfortsätzen der Wirbel gespannt wird. Darüber hinaus sind wir alle ein wenig schief und verteilen unser Gewicht, also den Druck, vielleicht nicht ganz gleichmäßig auf die rechte und linke Seite. Auch dies soll der Sattel ausgleichen. Damit soll es dem Rücken ermöglicht werden, ungestört zu schwingen [2.2]. Aber nicht nur nach rechts und links, auch über die gesamte Auflagefläche soll der Sattel das Gewicht verteilen, um dem Pferd das Tragen des zusätzlichen Gewichts zu vereinfachen [1]. Was viele vergessen ist, dass außerdem auch Reibung über den Dornforsätzen entsteht, indem wir in der Bewegung auf dem blanken Pferderücken sitzen [1].  
Auf der anderen Seite dient der Sattel aber auch uns, unseren Hilfen und damit der Kommunikation mit dem Pferd. Stellt euch ein ganz dünnes Pferd vor: Könnt ihr da drauf sitzen und feine Hilfen geben, ohne euch mit den Beinen festzuklammern? Ein hervorstehender Widerrist verhindert ebenfalls sehr effektiv einen entspannten Sitz. Am anderen Ende der Skala stellt euch jetzt ein extrem dickes, oder sagen wir lieber breites, rundrippiges, Pferd vor: Ihr könnt eure Beine nicht hängen lassen, die wandern immer nach vorne und ihr landet im Stuhlsitz. Der Sattel soll also die Anatomie des Pferderückens und die des Menschenbeckens einander näher bringen und Hilfengebung vereinfachen [1]. Auf dem runden Rücken soll er nach unten breit sein, die Sitzfläche aber soll schmaler sein als das Pferd. Das schmale Pferd muss er ein bisschen breiter, griffiger machen. Und so weiter, ich glaube, ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Darüber hinaus soll der Sattel besonders das Reiten in der Wahl-Disziplin erleichtern.
Je nachdem, was wir mit dem Pferd vorhaben, ist nicht jeder Sattel gleich gut geeignet. Es ist keine Geldmacherei, dass Sattler so viele Satteltypen anbieten: Dressur, Springen, Vielseitigkeit mit verschiedenen Ausrichtungen; unterschiedliche Westernmodelle; etwas spezieller Isländer- und Friesensattel, Distanzsattel usw.
Abhängig davon, was wir mit dem Pferd und Sattel annstellen möchten brauchen wir Pauschen, ein Horn, einen besonders leichten Sattel, den Schwerpunkt weiter vorn oder hinten usw.
Und nicht zu vergessen: Der Sattel dient auch unserer Sicherheit! [2.2].

Worauf ist bei derAuswahl des Sattels zu achten?
Besonderes Augenmerk ist auf die anatomischen Gegebenheiten des Pferdes zu legen. Auf keinen Fall darf der Sattel zu lang sein (s.u.). Ebensowenig darf er auf der Schulter liegen. Auch Bemuskelung, Form des Widerristes, Schwung des Rückens (z.B. Senk- oder Karpfenrücken) müssen beachtet werden.
Bei aller Rücksicht auf das Pferd muss der Sattel aber auch dem Reiter passen. Denn sitzt der nicht bequem, kann er nicht korrekt einwirken und stört das Pferd, selbst wenn der Sattel super passt. Hier müssen Hosengröße und Sitzlänge zusammenpassen und die Polsterung des Sitzes muss dem Gewicht und eventuellen Vorlieben entsprechen. Aber auch die Neigung der vorderen Hälfte der Sitzfläche und die Anbringung der Steigbügel, welche die Lage des Beins beeinflusst, sind zu berücksichtigen. Je nach Beinlänge empfiehlt sich ein Sattel mit mehr Vorschnitt [1]. Manche Reiter fühlen sich auf einem breiteren Sattel wohl, anderen ist ein schmaler lieber, wobei die Breite des Beckens hier wesentlichen Ausschlag gibt.

Sind Form und Farbe beim Sattelkauf wichtig?
Nun, wenn man sich einen neuen Sattel leistet kann man vielleicht das gleiche Modell in schwarz oder braun haben. Oder mit farbigem Rand am Hinterzwiesel oder ohne. Bei Pferden, die eine sehr einfache Sattellage haben, für die prinzipiell verschiedene Modelle in Frage kommen, kann vielleicht auch beim Kauf eines gebrauchten Sattels Rücksicht auf Farbvorlieben genommen werden. Für mich fällt diese Option aber komplett raus - einen neuen Maßsattel kann ich mir nicht leisten und passende Gebrauchtsättel sind Mangelware für die Prinzessin. Ich habe mich darüber hinaus auch gleich von dem Wunsch nach einem Dressursattel getrennt und mich darauf beschränkt, ein Modell zu finden, das überhaupt passt. Ich hoffe aber, dass wir hier die Ausnahme sind. Dennoch für alle anderen, die auf der Suche sind: Versteift euch nicht auf die Vorstellung einer Sattelart, Marke oder Farbe; seid offen und probiert unterschiedliche Typen aus und wenn euch ein Sattel begegnet, der wirklich passt, und für euren Zweck funktioniert, haltet ihn fest anstatt euch über das Design zu ärgern! Euer Pony wird es euch danken, indem es fortan freier, lockerer und freudiger unter euch läuft.

Und nun die Frage, die uns besonders am Herzen liegt:
Woran erkenne ich, dass der Sattel passt?
Tja, die Million-Euro-Frage. Nochmal: Ich liefere hier bloß eine Übersicht der Dinge, auf die ich zu achten gelernt habe. Wer es genauer wissen möchte, schaut bitte in die unten empfohlenen Bücher.
1) Sattel ohne Pferd:
  • Der Baum darf nicht verzogen, also zu einer Seite schief sein und die Kissen sollten auf beiden Seiten gleich dick und gleich fest sein. Man kann das prüfen, indem man ihn sich mit der Vorderkante auf die Füße stellt, die Sitzfläche in Richtung der Beine. Wenn man nun von oben über die Unterseite des Sattels schaut, kann man erkennen, ob der Sattel gerade und symmetrisch verläuft und ob die Kissen die gleiche Dicke aufweisen. Die Aufmerksamkeit ist hier daruaf zu richten, dass die Mitte des hinteren Sattelkranzes auf einer Linie liegt mit der des vorderen.
  • Der Sattelbaum darf sich nicht verbiegen lassen, das würde darauf hindeuten, dass er selbst oder das Kopfeisen gebrochen ist [1].
  • Die Kissen sollen elastisch und frei von Knubbeln sein. Das kann man einfach durch etwas festeres Drüberstreichen erfühlen [1 und 2.2]
2) Im Stehen:
  • Der Sattel liegt mit seiner vorderen Kante hinter dem hintersten Punkt der Schlter (kann man ertasten) und endet spätestens am 18. Brustwirbel [1]. Diese ist bei vielen Pferden einfach zu erkennen: Fühlt man die Wirbelsäule entlang kann man meist einen Huckel in etwa dort spüren, wo man das Ende des Sattels vermutet. Sofern es sich hier nicht um eine Auswirkung eines unpassenden Sattels handelt, ist dies der erste Lendenwirbel. Der Sattel muss also DAVOR enden.
  • Von vorne betrachtet soll der Ortsstand parallel zur Schulter verlaufen, damit diese in der Bewegung darunter geschoben werden kann [2.2]. Auch der Rest des Sattelbaumes, also des festen Teils des Sattels, soll von vorne betrachtet parallel zur Rundung des Rückens verlaufen. Hierzu hat Marc Lubetzki in seinem online verfügbaren Buch "Die Sattelprobe" anschauliche Skizzen [1].
  • Die Polsterung, bzw. das Sattelkissen, entspricht der Form des Rückens, des Trapezmuskels und seinem Übergang zur Schultermuskulatur. Das Kissen sollte nicht dem Rücken entgegen gebogen sein [2.2].
  • Sowohl vorne (unter den Ortsspitzen), als auch hinten sollte man noch eine Hand unter den Sattel schieben können, wenn man drauf sitzt. Die Hand muss ebenso leicht auch wieder darunter hervor zu ziehen sein [2.2]. Der Sattel darf weder eine Brücke über den Rücken, noch eine Wippe bilden [1].
  • Der Schwerpunkt des Sattels soll beim 12. oder 13. Brustwirbel liegen [1] (zu ermitteln z.B., indem man vom ersten Lendenwirbel 6-7 Wirbel nach vorne zählt). Dazu schaut man sich Pferd und Sattel am besten mit etwas Abstand von der Seite an. Der tiefste Punkt des Sattels entspricht dem Schwerpunkt. Barock- und Westernsättel dürfen ihren Schwerpunkt etwas weiter hinten haben [1].
  • Auch nach längerem Reiten müssen noch mehrere Finger unter den Sattelkopf/ Vorderzwiesel passen [2.2].
  • Weder die Sturzfeder noch die Riemen dürfen nach unten hin drücken. [2.2]. Zur Überprüfung wird eine Hand unter die Steigbügelaufhängung mit eingehängtem Bügelriemen geschoben, wobei Sturzfeder und Riemen nicht zu tasten sein sollen. 
  • Die Kissen müssen genügend Platz für die Wirbelsäule und die Muskeln lassen. Besonders vorne! Am Trapezmuskel sollten mindestens ca. 8 cm Platz zwischen dem linken und rechten Kissen sein [2.2], der alte Sattlermeister Otto von Bartholdy verlangt sogar 10 [2.3].
  • Wenn gegurtet wird, soll die vordere Gurtstrippe senkrecht verlaufen. Tut sie das nicht, wird der Sattel durch die Gurtung beim Reiten mit großer Wahrscheinlichkeit aus seiner Position nach vorne oder hinten gezogen [1].
In der Bewegung:
  • Das Pferd läuft mit losgelassenem Rücken [1 und 2.2], zu erkennen daran, dass der Rücken sich bewegt und der Bauch von einer Seite zur anderen pendelt. Der Schweif wird dabei (bei den meisten Pferden und wenn diese entspannt sind) locker hin und her schwingend getragen.
  • Das Pferd tritt mit den Vorderbeinen wirklich vor und hebt die Schultern dabei.
  • Auf einer kleinen Volte bleibt der Sattel mittig auf dem Pferd liegen, rutscht weder nach außen, noch nach innen (von vorne und hinten betrachten!).Wenn die hintere Sattelpartie nach außen rutscht, ist der Sattel wahrscheinlich zu eng am Trapezmuskel [2.2].
  • Der Sattel darf in der Bewegung nicht auf den Rücken schlagen, sich nach vorne, hinten oder zur Seite bewegen [1].
Nicht zuletzt ist es natürlich wichtig, wie sich der Reiter auf dem Sattel fühlt. Er darf sich nicht eingeengt vorkommen, schief hingesetzt (vorne-hinten und rechts-links) werden oder rutschen. Der korrekte aufrechte Sitz soll einfach sein. Pauschen, die die Beine in eine bestimmte Lage bringen, behindern einen lockeren, offenen Sitz


Quellen:
1: Lubetzki, Marc (2010): Die Sattelprobe; 5. Auflage 2010
2: Stodulka, R.; Weiß, E. & Meyners, E. (2013): Medizinische Sattellehre. Der pferdegerechte Sattel nach veterinärmedizinischen, funktionellen und biodynamischen Grundsätzen. Mit einer Neuausgabe von Bartholdy, O.v.: Anleitung zum Sattelbau; Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag
       2.1: Stodulka, R.
       2.2: Weiß, E.
       2.3: Meyners, E.
       2.4: Bartholdy, O.v.



Donnerstag, 30. Oktober 2014

Kleine Sattelkunde - Einführung

Gibt es hier einen Glücklichen, der das Problem, den richtigen Sattel zu finden nicht kennt?
Schon seit ich meine Prinzessin besitze, bin ich auf der Suche nach dem perfekten Sattel. Nein, 'perfekt' habe ich eigentlich schnell aufgegeben und gegen 'passend fürs Pony' ersetzt. Perfekt würde ja beinhalten, dass er auch für mich super bequem ist und noch gut aussieht. Ich glaube, das ist hoffnugslos. Jeder Sattler hat immer irgendwas im Auto, das er als passend beschreibt. Jeder Sattler polstert mit Begeisterung an dem rum, was man hat. Und bis vor einiger Zeit hatte ich wirklich keine Ahnung von der Materie und habe einfach geglaubt, was mir da gesagt wurde. Ich meine, warum auch nicht? Das sind die Spezialisten, die müssten es doch wissen. Und da ich immer so nett naiv bin und an das Gute in jedem glaube, war es auch ausgeschlossen für mich, dass mir einer was verkauft, um was zu verkaufen und nicht, um meinem Pony einen Sattel zu verpassen, der ihr die Arbeit erleichtert.
Vor 4 Jahren dachte ich das letzte Mal, das perfekte Modell gefunden zu haben: Den Epona von LaSelle. Tatsächlich ist die Prinzessin unter keinem anderen Sattel, den ich auf ihr liegen hatte, jemals so entspannt gelaufen und hat den Rücken aufgewölbt. Ich war begeistert. Auch der Sattler meinte, es passt und er durfte ihn ein bis zwei Mal im Jahr prüfen und anpassen.
Dass nach dem Reiten immer die Haare am hinteren Sattelrand aufgefilzt waren hab ich auf die Decke geschoben.
Mit der Zeit aber kamen mir Zweifel: Salut hat einen recht starken Senkrücken und mit kritischem Auge betrachtet endete der Epona genau da, wo der Rücken wieder nach oben geht.

Daher ritt ich seit Anfang des Jahres mit meiem Bareback Pad physio und nutzte den Epona nur noch fürs Gelände. Viele, die ich kenne, sind inzwischen auf Fellsattel oder Pad umgestiegen, das passt immer irgendwie. Aber für mich war das keine Lösung für alle Situationen.

Trotzdem hat Salut immer wieder die Arbeit verweigert und die Erklärung der Tierärzte, der ich mich vollkommen anschließe, lautete Rückenschmerzen. "Warum?" fragte ich mich, wo ich doch so wenig reite und so viel Biege- und Gymnastikarbeit mache?

Ein Spezialist, den ich Salut dann im Juni gegönnt habe und der wirklich großartige Arbeit an ihr leistete, lieferte mir schließlich die Erklärung: Meine Sättel waren immer zu lang! Alle Sattler hatten mir zwar immer wieder versichert, dass dies nicht der Fall sei, aber nachdem dieser Tierarzt mir ein eindeutiges Merkmal gezeigt hatte, das anzeigt, wo der Bereich der Brustwirbelsäule endet, war mir klar: Das kann nie gepasst haben und auch nicht einfach werden!
Also begann ich, Bücher zu lesen und mich mit verschiedenen Sattelmodellen zu beschäftigen. Ich bin kein Profi geworden, habe aber dennoch viel gelernt und werde meine Erkenntnisse demnächst nach und nach hier teilen.

Montag, 27. Oktober 2014

Freiarbeit

Erst wollte sie keinen Sattel mehr, dann mochte sie nicht mehr am Kopf geführt werden. Ist das das Ende der Arbeit mit der Prinzessin? Beinahe hätte ich ja gesagt, aber das wäre so falsch. Es war das Ende der Korrektur am Kappzaum oder der Trense und gleichzeitig der Anfang zu noch feineren Hilfen, zu mehr Körpersprache und Sitzkommunikation.
Ja, ich weiß, wenn das Pferd plötzlich am Kopf empfindlich wird und Trensen etc. nicht mehr mag oder überall rein beißt können Zahnprobleme dahinter stecken. Der Tierarzt ist schon verständigt. Trotzdem konnten wir etwas Tolles für unsere Arbeit daraus ziehen.

Für manche mag es aussehen wie ziemlich unspektakuläre Zirkustricks, wenn ich rückwärts vor meinem Pony her gehe und sie mir folgt, die Nase zu meinem Bauch zeigend. Und wie die typische Freizeitreiterspinnerei, wenn ich nur mit Halsring reite. Für mich ist das die Überprüfung und Verfeinerung der Arbeit, die wir bereits gefestigt hatten.

Was wir nun konkret machen? Ich führe, Pony folgt. Dabei gebe ich mit meinem Bauch die Blickrichtung und Stellung, mit der Gerte in der Schenkellage die Biegung und den Takt vor. Meine Haltung wird von Saluts gespiegelt: Wenn ich mich aufrichte tut sie das auch, wenn ich mich etwas vorbeuge soll sie den Hals fallen lassen. Meine Schultern sind parallel zu ihren Schultern. Wenn sie mich in korrekter Biegung spiegelt kann ich also durch Drehung meiner Schultern auch ihre drehen und sie so in ein Schulter- oder Kruppeherein oder in die Traversale führen.
Fazit für die Bodenarbeit ohne Zeug am Kopf: Ich habe meine Körpersprache verfeinert, Salut hat gelernt, genauer zuzuhören. Durch anfangs extrem häufiges Lob habe ich sie sehr aufmerksam und motiviert gemacht, Eigenschaften, die mir in letzter Zeit an ihr gefehlt haben. Leider ist sie gleichzeitig auch etwas zu einem weißen Hai geworden, aber das wird wohl auch wieder verschwinden.

Beim Reiten mit Halsring habe ich meine "Zügelhilfen" nun also auf die indirekten Hilfen, das heißt die an der Schulter, reduziert. Der Halsring simuliert perfekt den äußeren Zügel und kann - großer Vorteil - gleichzeitig den Hals reinführen und die innere Schulter zurückhalten. Aber nur mit Zügeln bzw. Halsring zu reiten macht natürlich noch keine schöne Arbeit. Ich muss jetzt verstärkt auf einen deutlichen Sitz und punktgenaues Treiben achten, um die Biegung korrekt zu erhalten. Sobald ich etwas nicht ordentlich mache, erhalte ich die Quittung. Hier fehlt es allerdings dem Pony noch ein bisschen an der Motivation, die wir in der Boden-Freiarbeit so schön wiedererlangt haben. Wenn sie keine Lust mehr hat, hat sie keine Lust und dann hilft auch der beste Sitz nicht, um sie auf der Zirkellinie zu halten. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Challenge accepted!

Donnerstag, 4. September 2014

Happy Hair Days

Zickzack-Schweif
Schopf als Holländer zur Seite geflochten




Manchmal überkommt es mich einfach und ich muss mit der Prinzessin ein bisschen Barbie spielen. Vielleicht, weil ich das als Kind nicht gemacht habe, da hat mich nur Lego interessiert.

Dann bekommen Schweif und Mähne extra Pflege und Zuwendung und das Pony muss einfach nur still stehen, was sie sowieso am liebsten macht (direkt nach fressen und dabei still stehen). Happy Hair Day eben.
Was dann dabei rauskommt wird immer fotografiert und hier ist nun meine erste Mähnen- und Schweif-Frisuren Dokumentation.


Nennen wir es mal Doppelter Franzose


Waterfallbraid


Mehrreihige Waterfallbraids

Dafür habe ich keinen Namen








Sonntag, 31. August 2014

Kursbericht vom Sitzkurs mit Kathrin Tannous - Teil 2

Am Sonntag ging unser Kurs weiter mit Einzelstunden für 7 glückliche Teilnehmer.
Bei strahlendem Sonnenschein ist Kathrin super auf die jeweiligen Wünsche und Probleme eingegangen und konnte viele hilfreiche Tipps verteilen.

So auch bei der Prinzessin und mir.
Mein Problem war in erster Linie das Schulterherein auf der linken Hand. Mit dem kleinen Hinweis, doch die äußere Hüfte etwas mit vor zu nehmen war es schon getan, der Knoten schien geplatzt! Im Kruppeherein war es ähnlich einfach: Meine äußere Schulter ist immer nach hinten abgehauen - wie also sollte die vom Pony dann in der Stellung vorne bleiben? Salut ist dann auf die innere Schulter gefallen. Mit der Idee, die äußere Schulter wieder nach vorne zu bringen hat Kathrin mir auch hier eine relativ einfach Lösung an die Hand gegeben. Nun konnten wir auch noch an Übergängen zwischen vorwärts-abwärts und vorwärts-aufwärts arbeiten. Für unsere Begriffe hat das alles sehr gut geklappt, auch die Konzentration und Aufmerksamkeit meiner Prinzessin war mir (fast) sicher, was leider meistens nicht der Fall ist.
Mit einem Fleißsternchen fürs Seitengängeüben von Kathrin ging der Kurs für mich zu Ende.

Vielen Dank, Kathrin und auf viele weitere Erleuchtungen!!

Nachdem ich mir das Video von dieser Reitstunde angesehen habe, würde ich sagen, dass ich in Zukunft daran arbeiten muss, die Hufe eher vom Boden zu lösen, damit der Rückschub von Vor- und Hinterhand abgekürzt wird. Dieser macht Saluts ohnehin schon komplizierten Rücken unnötig lang und sorgt dafür, dass er durchhängt und Salut sich nicht von hinten tragen kann. Außerdem kippt das ganze Pony deutlich auf die Schulter, je mehr sie schiebt. Meinen Schülern habe ich genau das schon so oft gesagt. Aber selber habe ich diese Korrektur viel zu inkonsequent vorgenommen. Das Schlusswort des Tages: Ich sollte öfter auf mich hören!

Donnerstag, 28. August 2014

Kursbericht vom Sitzkurs mit Kathrin Tannous - Teil 1

Am vergangenen Wochenende fand unser Sitzkurs mit Kathrin statt.

Am Samstag standen Theorie und "Trockenübungen" auf dem Programm. Mit Pezziball statt Pony. Pezzipony. Ein Glück, dass wir nicht in der Reithalle waren bei dem Wetter, sondern eine schöne warme Turnhalle am Schloss Oberwerries in Hamm zur Verfügung hatten. Aber zum Kurs:
7 Freunde waren von unserem Stall dabei und 8 kamen "von außerhalb". Die Meisten kannten Kathrin schon, sind bereits in der Akademischen Reitkunst zuhause und hatten auch spezielle Fragen mitgebracht.

"Was macht mein äußeres Bein, wenn ich Schulterherein reiten möchte?"
"Wenn mein Pony flach trabt und mehr schiebt als vorgreift fühlt es sich richtig an, wenn es mehr vorgreift fühlt es sich unbequem und falsch an. Wie kommt das?"
"Wie ist der richtige Sitz im Galopp?"
 "Wie galoppiere ich richtig an: Mit dem äußeren oder dem inneren Schenkel?"
"Mein Pony galoppiert auch rechtsherum nur im Linksgalopp an. Das muss an mir liegen." (Das war meine Frage und ich glaube, ich habe schon am Samstag eine Antwort bekommen, dazu später).
Aber auch eine grundsätzliche Frage zu dem, was man in den Reithallen beobachten kann, fand ihre berechtigte Beachtung:
"Wenn man Reiter egal wo und welcher Reitweise durch Ecken reiten sieht, sitzen sie immer außen im Sattel oder nehmen den Sattel sogar mit nach außen. Ist das richtig?"
Nachdem wir außerdem noch sämtliche Aussagen zum Sitz gesammlelt hatten, die uns so einfielen fing dann der lehrreiche Teil an. Zunächst ging Kathrin durch, inwiefern all diese Aussagen und Anweisungen sinnvoll sind und - sehr interessant - wo sie ihren Ursprung haben. Dabei wurden gleich auch unsere mitgebrachten Fragen beantwortet, weitere aufgeworfen und auch geklärt. So wie es eben sein soll.

Das Gesamtfazit dieses Teils lässt sich zusammenfassen mit: Zuerst einmal soll der Sitz nicht stören. Der Reiter soll so sitzen, dass es für ihn angenehm ist, nur dann kann dieses Ziel erreicht werden. Schablonensitzen ist also nicht die Lösung, sondern eher das Problem, denn jeder kämpft mit anderen körperlichen Eigenschaften und wer hat schon die Proportionen des Pferd-Reiter-Paares auf den Bildern mit den berühmten Linien?
Den einzigen konkreten Tipp zur Verbesserung des Sitzes, den ich an dieser Stelle beschreiben möchte ist folgender: Beine vom Sattel nach außen strecken und wieder entspannen, sodass die Oberschenkelmuskulatur wieder unter dem Bein verschwindet und nach vorne und hinten zurück gleitet. So erhöht sich die Auflagefläche der Schenkel und damit die Sicherheit (Knieschluss) und Effektivität (Beine lang,...).


Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann praktischer weiter. Zuerst einmal ließ uns Kathrin auf dem Pezzipony das Mitschwingen im Schritt und Trab und beim Schulterherein üben. Dabei sollten wir, wie das Pferd, diagonal schwingen.



An dieser Stelle offenbarte sich zum ersten Mal der Grund meiner Probleme, links herum Schulterherein zu reiten und rechts anzugaloppieren: Das Gefühl, dass meine Schulter viel lieber lateral (also passartig) mitschwingen möchte, das ich immer wieder beim Reiten hatte, täuschte. Anscheinend schwinge auch ich richtig - zum Glück. Aber dadurch, dass ich ständig versucht habe, mich zu korrigieren ist jegliche Entspanntheit aus meinem Sitz verloren gegangen.

Danach kam etwas mehr Bewegung in die Sache. Wir alle liefen in einem Kreis um Kathrin herum, mal geradeaus, mal im Schulterherein mit zur Zirkelmitte gedrehten Fußspitzen. Wir waren eine wunderbare Abteilung und konnten auch super gleichzeitig die Hand wechseln. Aber darauf kam es Kathrin nicht an. Vielmehr wollte sie auch hierbei wieder sehen, ob wir diagonal schwingen und ob die Hüfte, deren Bein nach vorne schwingt sich abwärts bewegt.

Sämtliche Bewegungsanalysen sind wichtige Anhanltspunkte, falls mal jemand zum Physiotherapeuten, Orthopäden oder ähnlichem geht.

Die nächste Übung war dann mit Partner. Ein Partner mimte das Pony - Partnerpony- und einer den Reiter. Wobei wir hier eigentlich Bodenarbeit simulierten. Das Partnerpony sollte auf die Schulterdrehung und Fußposition des rückwärts vor ihm her laufenden Partnerreiters reagieren und ins Schulterherein bzw. wieder daraus zurück gehen. Hier gab es etliche Aha-Effekte, besonders was die Gehrichtung und Stärke der Drehung anging.

Auf Turnmatten ging es nach einer Kaffeepause mit Partnerübungen weiter. Wir sollten ausprobieren, wie viel von der Bewegung unserer Schultern und Hüfte beim Pferd ankommt. Das Partnerpony sollte auf die veränderte Berührung der Schenkel des Reiters reagieren und sich stellen und biegen. Und hier hatten wirklich viele (alle?) einen Aha-Effekt. Es kommt nämlich tatsächlich jede noch so kleine Bewegung an! Und die Meisten hatten sogar noch mehr Ahas: Es kam nicht alles so an, wie sie es gedacht hatten, machmal brachte eine kleine Bewegung das Partnerpony ungewollt auf die äußere Schulter, manchmal kam die Kruppe rein oder die Biegung ging verloren.
Und mein persönliches Fazit? Wieder einmal: Ich muss weniger machen. Ich muss mich nicht so sehr verdrehen, wie ich nach der Lektüre von Meyners zu müssen glaubte, sondern darf die äußere Hüfte zusammen mit der Schulter etwas vor nehmen. Nur die Verdrehung, die sie sowieso schon gegeneinander haben sollte erhalten bleiben. Außerdem: Wenn ich aus dem Schulter- oder Kruppeherein zurück zum Geraderichten möchte, sollte mein äußerer Schenkel weiter weg vom Pferd, sonst schubst er den Brustkorb direkt wieder und bewirkt, dass mein Pferd sich nach außern umbiegen möchte. Ich muss also das äußere Bein bei meiner Drehung aus der Schulterhereinhaltung zurück auch wieder vom Pferd weg bewegen. Unbedingt merken!!

Zum Schluss bekamen wir von Kathrin noch eine persönliche Erfahrung mit auf den Weg: Je zufriedener der Reiter, umso besser die Arbeit mit dem Pferd. Gut, im Grunde wussten wir das. Dennoch, dass die Änderung der Lebensumstände wirksamer sein kann als gezieltes Sportprogramm war zumindest mir neu und gibt zu denken. Wenn ich gut reiten will und der beste Lehrer für mein Pony sein, der ich sein kann, dann muss ich dringend alles in meinem Leben ändern, was mich stört. Es heißt also jetzt rigoros alles zu hinterfragen und auszumisten oder aufzustocken. Job, Freizeit, Wohnung. Was werde ich zuerst tun? Meine Diss abschließen. Ich glaube, danach bin ich grundsätzlich besser drauf. Meine Wohnung ausmisten und ordentlich halten. Meine liebe Freundin Heike von Haselnussblond ist da ein gutes Vorbild. Meinen Blog regelmäßiger pflegen (räusper). Mehr Reitschüler aufnehmen. Mehr genießen - und zwar ALLES!

An dem Abend nach dem ersten Kurstag hatte ich viel zu verarbeiten. Aber es stand ja noch der zweite Tag an, die Reitstunde mit dem Fokus auf den Sitz. Davon berichte ich morgen.